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keine Haftpflichtdeckung bei vorsätzlichem Foulspiel des Versicherungsnehmers

Veröffentlicht: 14. Januar 2013

Nicht jedes Foul im Fußball hat den Ausschluss der Leistungspflicht des Haftpflichtversicherers nach § 103 VVG (Versicherungsvertragsgesetz) zur Folge. Wenn der Versicherungsnehmer allerdings zuvor seinem Gegner gedroht hat, ihm bei der nächsten Aktion die Beine zu brechen, ist ein Ausschluss möglich. Eine solche Äußerung ist ein Indiz für einen zumindest bedingten Verletzungsvorsatz, der zum Ausschluss der Leistungspflicht des Versicherers führe.

Das OLG hält ein Foulspiel dergestalt, dass der Spieler von hinten in seinen Mitspieler grätscht, ohne den Ball erreichen zu können, noch nicht für geeignet, einen Ausschluss der Leistungspflicht des Versicherers zu begründen. Es wird damit klargestellt, dass nicht bei jedem schweren Foul unterstellt werden könne, der Foulende wolle den gegnerischen Spieler absichtlich und damit vorsätzlich verletzen.

Der Versicherer muss aber dann nicht zahlen, wenn der Versicherungsfall vorsätzlich und widerrechtlich herbeigeführt wurde, da dann der gesetzliche Risikoausschluss des § 103 VVG eingreift. Eine Haftpflichtversicherung ist kein Freifahrtsschein für grobes und unsportliches, bei seinem gegenüber Verletzungen in Kauf nehmendes Verhalten. In einem solchem Fall muss jeder Sportler damit rechnen, die Schadensersatzansprüche seines Gegners im Endeffekt in voller Höhe selbst befriedigen zu müssen.

Für den Gefoulten bedeutet dies in der Konsequenz, dass seine Schadensersatzansprüche, insbesondere auch der Anspruch auf Schmerzensgeld nicht durch die Haftpflichtversicherung des Schädigers gedeckt sind. Bei wirtschaftlich nicht leistungsfähigen Schädigern führt das dazu, dass der Geschädigte keinen Schadenersatz erlangt.

Foult ein Spieler seinen Gegner mit hohem Tempo und gestrecktem Bein voraus seitlich von hinten, sind die dadurch verursachten Verletzungen im Regelfall weder durch Einwilligung des Gefoulten noch unter dem Gesichtspunkt des Handelns auf eigene Gefahr oder des sozialadäquaten Verhaltens gerechtfertigt. Bei einem derart übertriebenen Einsteigen muss mit einer ernsthaften Verletzung des Gegners gerechnet werden. Der Spieler darf dann nicht darauf vertrauen, dass alles gutgehen werde. Ein solches Verhalten rechtfertigt für sich aber nur den Vorwurf der Fahrlässigkeit. Auch die evidente Gefahr erheblicher Verletzungen lässt nicht auf den für § 103 VVG erforderlichen Verletzungsvorsatz schließen. Es ist insbesondere zu beachten, dass Fußball ein schnelles und kampfbetontes Spiel ist, dessen Hektik den Spieler zwingt, in Sekundenbruchteilen Chancen abzuwägen und Risiken einzugehen.

Der Verletzungsvorsatz kann sich aber aus der Situation ergeben. So spricht für einen Verletzungsvorsatz, wenn der Spieler mit hohem Tempo aus etwa 20 bis 30 Metern Entfernung angerannt kommt, obwohl die Spielsituation nicht bedrohlich ist und kein Anlass besteht, die eigentliche Spielposition zu verlassen. Auch wenn der Gegenspieler sich zwischen dem Ball und dem Angreifer befindet, kann bei einem solchen Verhalten davon ausgegangen werden, dass es nicht dem Ball, sondern dem Mitspieler gilt, insbesondere, wenn dieser den Ball bereits weitergespielt hat. Das ist aber alles alleine noch nicht zwingend für eine Annahme des Verletzungsvorsatzes.

Bedroht der Angreifer aber seinen Gegenspieler kurz vor dem Angriff und droht ihm mit einer Verletzung, so lässt sich daraus auf einen Verletzungsvorsatz schließen.

Abschließend kann damit festgestellt werden, dass es für die Annahme eines solchen Vorsatzes auf die Umstände des Einzelfalls ankommt, wobei aber eine Verletzungsdrohung ein deutliches Indiz für einen Verletzungsvorsatz darstellt.

(OLG Karlsruhe – Urteil vom 27. September 2012, Az. 9 U 162/11) 

© Rechtsanwalt Friedrich Vosberg

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